Systematik

Die Agenda von Stakeholdern im Gesundheitswesen wird durch Interessen geleitet. Im Versuch einer Systematisierung dieser Interessen bietet sich die grundlegende Aufteilung der Expansion und Kompression von Krankheiten an.

Bei der Expansion von Krankheiten wird ein Versagen der Medizin verortet, mit Kostenfolgen und zunehmend vielen Leiden im Alter (Gruenberg Theorie). Konsequenz aus dieser Theorie ist eine pessimistische Betrachtung des Gesundheitswesens und deren Effekte für die Gesellschaft. Demnach ist die Theorie, dass weniger Gesundheitswesen mehr Gesundheit und weniger Versorgungskosten bedeutet, selbst in medizinischen Kreisen die tragende Kraft geworden (SGAIM, smarter medicine). Die Assekuranz-Stakeholder benutzen diese Entwicklung, da sie vom wissenschaftlich falschen Narrativ der niedrigen Kosteneffektivität der Medizin unmittelbar profitieren (weniger Auslagen).

Bei der Kompression von Krankheiten wird hingegen eine wissenschaftlich gut untermauerte Theorie der Kosteneinsparungen bis zum Lebensende postuliert. Diese vermittelt zentral wichtige optimistische und damit Vertrauen schaffende Elemente in der Gesundheitsförderung und Krankheitsbehandlung.

In der Schweiz wird zwar viel über die positiven Effekte von medizinischer Behandlung und Prävention gesprochen. De facto wird aber am Erfolg der Medizin gezweifelt und die hohen Kosten mit zu geringem Nutzen bei gleichzeitigen Nebenwirkungen in den Vordergrund gestellt. Wer diese Narrative letztlich aus dem Hinterzimmer heraus bedient, ist selbstverständlich nicht öffentlich erkennbar.

Im Rahmen systematischer Überlegungen stellt sich aber die Frage, welche Institutionen an Rationierung medizinischer Leistungen interessiert sind. Es bleibt weiter abzuklären, ob hier die Assekuranz im Hintergrund die öffentliche Meinung zu beeinflussen versucht.